Wer ein Unternehmen kaufen oder verkaufen will, braucht zuerst eine Zahl. Das Multiplikatorverfahren liefert sie schnell: Betriebsergebnis mal Faktor. Doch welches Ergebnis und welcher Faktor — und wie verlässlich ist das Ergebnis? Dieser Beitrag erklärt den EBIT-Multiple im Detail.
EBIT-Multiple oder EBITDA-Multiple?
EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern — nach Abschreibungen. EBITDA rechnet die Abschreibungen wieder hinzu und ist daher immer größer. Weil die Basis beim EBIT-Multiple kleiner ist, ergibt sich für dieselbe Firma ein höherer Multiple-Wert. Beide führen zum selben Unternehmenswert, solange man sie nicht verwechselt.
Welche Variante man nimmt, hängt von der Branche ab. Bei Produktion, Maschinenbau und Logistik verzerren hohe Abschreibungen den EBIT-Vergleich — dort dominiert der EBITDA-Multiple. Bei Beratung, Software und Agenturen mit geringem Anlagevermögen ist der EBIT-Multiple aussagekräftig.
Aktuelle Branchen-Multiples im DACH-Raum
Die folgenden Werte sind EBITDA-Multiples für den DACH-Mittelstand (Stand Q1/2026, überwiegend deutsche Transaktionsdaten). EBIT-Multiples liegen je nach Abschreibungsgrad darunter.
- Software & SaaS: 6 bis über 10
- IT-Services: 5 bis 9,5
- Gesundheit & Medizintechnik: 6 bis 10
- Maschinenbau: 4 bis 7
- Bau & Handwerk: 4 bis 7
- Handel: 3 bis 6,5
- Logistik & Transport: 3,4 bis 7
Der branchenübergreifende Durchschnitt liegt bei rund 5,7× EBITDA. Österreich liegt typischerweise 5 bis 15 Prozent unter den deutschen Werten — der Markt ist kleiner und weniger liquide. Die Schweiz liegt 10 bis 20 Prozent darüber.
Das Small-Cap-Disagio
Je kleiner das Unternehmen, desto niedriger der Multiple. Ein Micro-Cap unter 5 Mio. Euro Umsatz liegt systematisch 1,5 bis 3 Punkte unter einem Mid-Cap derselben Branche. Die Gründe: höhere Inhaberabhängigkeit, dünnere Managementdecke, oft starke Kundenkonzentration und eine geringere Handelsliquidität. Umgekehrt heben wiederkehrende Umsätze (plus 30 bis 50 Prozent) und Wachstum über 10 Prozent (plus ein bis zwei Punkte) den Multiple deutlich.
Vom Multiple zum Kaufpreis: die Equity-Brücke
Der Multiple liefert den Enterprise Value (Unternehmenswert), nicht den Kaufpreis. Dazwischen liegt die Equity-Brücke:
Enterprise Value = bereinigtes EBIT × Multiple. Davon werden die Nettofinanzschulden abgezogen (verzinsliche Verbindlichkeiten minus Cash), um den Equity Value zu erhalten — den tatsächlichen Kaufpreis der Anteile. Transaktionen laufen meist auf „cash and debt free"-Basis: Der Käufer übernimmt den Betrieb schuldenfrei und ohne Kassenbestand. Die ausführliche Rechnung steht unter Firmenwert berechnen und Unternehmensbewertung: Methoden und Multiplikatoren.
Das bereinigte EBIT
Der Multiple ist nur so gut wie die Zahl, auf die er angewendet wird. Vor der Bewertung wird das EBIT normalisiert: Das Inhabergehalt wird auf Marktniveau gebracht (in AT und DE grob 80.000 bis 120.000 Euro pro Jahr), private Kosten und Einmaleffekte werden herausgerechnet, ein aufgestauter Investitionsbedarf wird berücksichtigt. Diese Bereinigung ist ein zentraler Verhandlungshebel.
Die Grenzen des Verfahrens
Die Neufassung des Fachgutachtens KFS/BW 1 gilt für Bewertungsaufträge ab dem 30. Juni 2026 und erkennt Multiplikatoren ausdrücklich als marktbasierte Ergänzung an — allerdings nur mit nachvollziehbarer Vergleichsdatenbasis.
OptimusFlow setzt genau am größten Werthebel an: Wer die Inhaberabhängigkeit senkt und Prozesse dokumentiert, hebt den Multiple messbar. Mehr unter Digitalisierung nach der Übernahme und auf unserer Seite zur Unternehmensnachfolge-Beratung.
Häufige Fragen
Was ist ein EBIT-Multiple?
Ein EBIT-Multiple bewertet ein Unternehmen als Vielfaches seines Betriebsergebnisses vor Zinsen und Steuern (nach Abschreibungen). Multipliziert man das bereinigte EBIT mit dem branchenüblichen Faktor, erhält man den Enterprise Value des Unternehmens.
Ist der EBIT-Multiple höher oder niedriger als der EBITDA-Multiple?
Höher. Da EBIT nach Abschreibungen kleiner ist als EBITDA, braucht es einen größeren Faktor, um denselben Unternehmenswert abzubilden. Beide Multiples führen zum gleichen Ergebnis, solange man Basis und Faktor konsistent verwendet.
Wie hoch sind aktuelle Multiples im Mittelstand?
Im DACH-Mittelstand liegen EBITDA-Multiples branchenabhängig grob zwischen 3 und 10, im Durchschnitt rund 5,7. Kleine Betriebe liegen deutlich niedriger als große, Österreich etwas unter Deutschland. EBIT-Multiples fallen je nach Abschreibungsgrad darunter.
Reicht der Multiple für eine verbindliche Bewertung?
Nein. Der Multiplikator liefert eine schnelle Orientierung und eignet sich für Verhandlungen und Szenarien. Für gerichtliche, steuerliche oder gesellschaftsrechtliche Zwecke ist in Österreich das Ertragswertverfahren nach KFS/BW 1 erforderlich.
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