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EBIT-Multiple: Unternehmen bewerten mit dem richtigen Faktor

Rund 5,7x EBITDA im DACH-Schnitt, Österreich oft 5 bis 15 % unter Deutschland: Wie Branchen-Multiples den Unternehmenswert bestimmen und wo die Grenzen liegen.

7 min readTill OberhummerTill Oberhummer
EBIT-Multiple: Unternehmen bewerten mit dem richtigen Faktor

Wer ein Unternehmen kaufen oder verkaufen will, braucht zuerst eine Zahl. Das Multiplikatorverfahren liefert sie schnell: Betriebsergebnis mal Faktor. Doch welches Ergebnis und welcher Faktor — und wie verlässlich ist das Ergebnis?

EBIT-Multiple oder EBITDA-Multiple?

EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern — nach Abschreibungen. EBITDA rechnet die Abschreibungen wieder hinzu und ist daher immer größer. Weil die Basis beim EBIT-Multiple kleiner ist, ergibt sich für dieselbe Firma ein höherer Multiple-Wert. Beide führen zum selben Unternehmenswert, solange man sie nicht verwechselt.

Key Takeaways (5)
  • EBIT = Ergebnis nach Abschreibungen; EBITDA = EBIT plus Abschreibungen
  • EBIT-Multiple ist höher als EBITDA-Multiple — gleiche Firma, kleinere Basis
  • EBITDA-Multiple bei anlagenintensiven Branchen, EBIT bei Dienstleistern
  • DACH-Schnitt grob 5,7× EBITDA, stark branchenabhängig
  • Nur Orientierung — kein gerichtsfestes Gutachten

Welche Variante man nimmt, hängt von der Branche ab. Bei Produktion, Maschinenbau und Logistik verzerren hohe Abschreibungen den EBIT-Vergleich — dort dominiert der EBITDA-Multiple. Bei Beratung, Software und Agenturen mit geringem Anlagevermögen ist der EBIT-Multiple aussagekräftig.

Wie hoch sind aktuelle Branchen-Multiples im DACH-Raum?

Die folgenden Werte sind EBITDA-Multiples für den DACH-Mittelstand (Stand Q1/2026, überwiegend deutsche Transaktionsdaten). EBIT-Multiples liegen je nach Abschreibungsgrad darunter.

  • Software & SaaS: 6 bis über 10
  • IT-Services: 5 bis 9,5
  • Gesundheit & Medizintechnik: 6 bis 10
  • Maschinenbau: 4 bis 7
  • Bau & Handwerk: 4 bis 7
  • Handel: 3 bis 6,5
  • Logistik & Transport: 3,4 bis 7

Der branchenübergreifende Durchschnitt liegt bei rund 5,7× EBITDA. Österreich liegt typischerweise 5 bis 15 Prozent unter den deutschen Werten — der Markt ist kleiner und weniger liquide. Die Schweiz liegt 10 bis 20 Prozent darüber.

EBITDA-Multiples nach Branche und Unternehmensgröße (Stand Q3/2026)

Aktuellere und nach Größe aufgeschlüsselte Werte liefern die DUB KMU-Multiples (Stand Q3/2026). Sie beruhen auf Einschätzungen von mehr als 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum. Die Größenklassen richten sich nach dem Umsatz: Micro-Cap unter 5 Mio. €, Small-Cap 5 bis 50 Mio. €, Mid-Cap über 50 Mio. €. Alle Werte sind EBITDA-Multiples als Bandbreite von–bis.

EBITDA-Multiple Gesundheitswesen

  • Pflege & Dienstleister: Micro-Cap 4,0–5,9 · Small-Cap 6,0–8,1 · Mid-Cap 8,6–10,1
  • Medizintechnik & Life Sciences: Micro-Cap 5,9–7,6 · Small-Cap 7,1–9,0 · Mid-Cap 8,2–10,0

Gesundheitsunternehmen gehören zu den höher bewerteten Branchen, weil die Nachfrage stabil und wenig konjunkturabhängig ist. Abschläge entstehen typischerweise, wenn das Geschäft stark an einzelnen Ärzten, Fachkräften oder Kassenverträgen hängt.

EBITDA-Multiple Bau & Infrastruktur

  • Bauhaupt- & Baunebengewerbe (Handwerk): Micro-Cap 3,7–5,0 · Small-Cap 4,4–5,8 · Mid-Cap 5,0–6,8
  • Telekommunikation & Infrastruktur: Micro-Cap 4,2–6,1 · Small-Cap 5,7–7,2 · Mid-Cap 6,3–7,7

Bauunternehmen werden unterdurchschnittlich bewertet: Auftragslage und Margen schwanken mit der Konjunktur, und oft hängen Kundenbeziehungen am Inhaber. Ein gefüllter Auftragsbestand und eine eingespielte zweite Führungsebene heben den Wert.

EBITDA-Multiple Energie & Umwelt

Für Energie- und Umwelttechnik weist der DUB-Index keine eigene KMU-Zeile aus, und belastbare Transaktionsdaten für kleine Unternehmen sind rar. Als Orientierung dient die Infrastruktur-Zeile oben (4,2–7,7 je nach Größe). Wiederkehrende Erlöse aus Wartungs- oder Abnahmeverträgen rechtfertigen Werte am oberen Ende, reines Projektgeschäft eher das untere.

EBITDA-Multiple Software & Technologie

  • Software & Digitale Plattformen: Micro-Cap 5,6–7,6 · Small-Cap 7,2–9,0 · Mid-Cap 8,3–10,6
  • IT-Services & Systemhäuser: Micro-Cap 5,2–6,7 · Small-Cap 6,3–8,5 · Mid-Cap 7,1–9,6

Software erzielt die höchsten Multiples im Mittelstand, vor allem bei wiederkehrenden Lizenz- oder Abo-Umsätzen. Systemhäuser mit überwiegend Projektgeschäft liegen darunter. Hoher Anteil an Wartungsverträgen und geringe Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern wirken wertsteigernd.

EBITDA-Multiple Chemie & Kunststoff

  • Chemie, Kunststoffe & Verpackung: Micro-Cap 3,6–4,6 · Small-Cap 5,4–6,5 · Mid-Cap 6,5–8,1

Auffällig ist der große Abstand zwischen den Größenklassen: Kleine Chemie- und Kunststoffbetriebe sind stark von Rohstoffpreisen und wenigen Abnehmern abhängig, größere verteilen dieses Risiko. Spezialprodukte mit Zulassungen oder Patenten erzielen höhere Werte als Standardware.

EBITDA-Multiple B2B-Dienstleistungen

  • Unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B): Micro-Cap 3,8–5,7 · Small-Cap 5,0–7,2 · Mid-Cap 6,4–8,0

Bei Dienstleistern entscheidet, wie viel Wert ohne den Inhaber übrig bleibt. Rahmenverträge, ein breiter Kundenstamm und dokumentierte Prozesse heben den Multiple; hängt der Umsatz an persönlichen Beziehungen des Gründers, sinkt er deutlich.

EBITDA-Multiple Konsumgüter & Handel

  • Konsumgüter (Non-Food): Micro-Cap 2,5–4,0 · Small-Cap 3,6–5,6 · Mid-Cap 4,8–6,3
  • Handel: Groß- & Einzelhandel (stationär): Micro-Cap 3,4–4,5 · Small-Cap 4,4–5,4 · Mid-Cap 5,2–6,7
  • Handel: E-Commerce & Versand: Micro-Cap 4,3–6,9 · Small-Cap 5,4–7,4 · Mid-Cap 7,3–9,3

Konsumgüter und stationärer Handel gehören zu den niedrig bewerteten Branchen: Margendruck, Konsumflaute und Abhängigkeit von großen Handelsketten drücken die Preise. Online-Händler mit eigener Marke und Stammkundenbasis werden deutlich höher bewertet.

Umsatz-Multiples nach Branche

Umsatz-Multiples (Unternehmenswert geteilt durch Umsatz) spielen im Mittelstand eine Nebenrolle. Sie ignorieren die Marge: Zwei Firmen mit gleichem Umsatz, aber 5 und 20 Prozent EBITDA-Marge, sind sehr unterschiedlich viel wert. Verwendet werden sie vor allem bei wachstumsstarken Software- und Abo-Unternehmen, die noch wenig Gewinn ausweisen. Für etablierte KMU ist der EBITDA- oder EBIT-Multiple die belastbarere Kennzahl.

Was ist das Small-Cap-Disagio?

Je kleiner das Unternehmen, desto niedriger der Multiple. Ein Micro-Cap unter 5 Mio. Euro Umsatz liegt systematisch 1,5 bis 3 Punkte unter einem Mid-Cap derselben Branche. Die Gründe: höhere Inhaberabhängigkeit und eine dünnere Managementdecke.

Wie führt die Equity-Brücke vom Multiple zum Kaufpreis?

Der Multiple liefert den Enterprise Value (Unternehmenswert), nicht den Kaufpreis. Dazwischen liegt die Equity-Brücke:

Enterprise Value = bereinigtes EBIT × Multiple. Davon werden die Nettofinanzschulden abgezogen (verzinsliche Verbindlichkeiten minus Cash), um den Equity Value zu erhalten — den tatsächlichen Kaufpreis der Anteile. Transaktionen laufen meist auf „cash and debt free"-Basis: Der Käufer übernimmt den Betrieb schuldenfrei und ohne Kassenbestand. Die ausführliche Rechnung steht unter Firmenwert berechnen und Unternehmensbewertung: Methoden und Multiplikatoren.

Was ist das bereinigte EBIT?

Der Multiple ist nur so gut wie die Zahl, auf die er angewendet wird. Vor der Bewertung wird das EBIT normalisiert: Das Inhabergehalt wird auf Marktniveau gebracht (in AT und DE grob 80.000 bis 120.000 Euro pro Jahr), private Kosten und Einmaleffekte werden herausgerechnet, ein aufgestauter Investitionsbedarf wird berücksichtigt. Diese Bereinigung ist ein zentraler Verhandlungshebel.

Wo liegen die Grenzen des EBIT-Multiple-Verfahrens?

Die Neufassung des Fachgutachtens KFS/BW 1 gilt für Bewertungsaufträge ab dem 30. Juni 2026 und erkennt Multiplikatoren ausdrücklich als marktbasierte Ergänzung an — allerdings nur mit nachvollziehbarer Vergleichsdatenbasis.

OptimusFlow setzt genau am größten Werthebel an: Wer die Inhaberabhängigkeit senkt und Prozesse dokumentiert, hebt den Multiple messbar. Mehr unter Digitalisierung nach der Übernahme und auf unserer Seite zur Unternehmensnachfolge-Beratung.

Häufige Fragen

Was ist ein EBIT-Multiple?

Ein EBIT-Multiple bewertet ein Unternehmen als Vielfaches seines Betriebsergebnisses vor Zinsen und Steuern (nach Abschreibungen). Multipliziert man das bereinigte EBIT mit dem branchenüblichen Faktor, erhält man den Enterprise Value des Unternehmens.

Ist der EBIT-Multiple höher oder niedriger als der EBITDA-Multiple?

Höher. Da EBIT nach Abschreibungen kleiner ist als EBITDA, braucht es einen größeren Faktor, um denselben Unternehmenswert abzubilden. Beide Multiples führen zum gleichen Ergebnis, solange man Basis und Faktor konsistent verwendet.

Wie hoch sind aktuelle Multiples im Mittelstand?

Im DACH-Mittelstand liegen EBITDA-Multiples branchenabhängig grob zwischen 3 und 10, im Durchschnitt rund 5,7. Kleine Betriebe liegen deutlich niedriger als große, Österreich etwas unter Deutschland. EBIT-Multiples fallen je nach Abschreibungsgrad darunter.

Reicht der Multiple für eine verbindliche Bewertung?

Nein. Der Multiplikator liefert eine schnelle Orientierung und eignet sich für Verhandlungen und Szenarien. Für gerichtliche, steuerliche oder gesellschaftsrechtliche Zwecke ist in Österreich das Ertragswertverfahren nach KFS/BW 1 erforderlich.

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